Milderung Ende der dritten Januardekade oder bleibt es kalt?

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Milderung Ende der dritten Januardekade oder bleibt es kalt?

UNREAD_POSTvon Wettermaik » 20.01.2013, 09:32

Anfangs noch winterlich, zum Monatsende könnte es milder werden

Die Entwicklung der Wetterlage ist derzeit sehr spannend und da kommt natürlich auch die Frage auf, wie lange der Winter noch durchhält oder wann es milder wird. Der derzeitige Trend scheint eher Richtung Milderung vom Nordatlantik zu gehen. Dazu aber gleich etwas ausführlicher mit den unten aufgeführten GFS-Karten um die mögliche Wetterentwicklung zu erläutern.

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Schauen wir zunächst auf den heutigen Tag. Die Wetterlage ist sehr brisant. Zwischen Tiefdruckgebieten über Norditalien und Benelux wird sehr milde Luft auf dem Mittelmeerraum in höheren Luftschichten nach Deutschland gelenkt. Über Nordskandinavien liegt noch eine Hochdruckzone. An deren Südseite liegt Deutschland. An dieser Südseite gelangt weiterhin in bodennahen Luftschichten sehr kalte und trockene Luft aus Osteuropa nach Deutschland. Warme Luft ist leichter als kalte, deshalb kann sich im Süden und Westen Deutschlands die warme Luft nur verzögert, teilweise auch gar nicht am Boden durchsetzen. Folge bei einsetzenden Niederschlägen ist anfänglicher Schneefall, der mit jedem Kilometer nach Süden in Eisregen, Eiskörner und Regen übergeht. Besonders im Übergangsgebiet von Schnee zu Eiskörnern, Eisregen oder Regen kommt es zu Eisbildung auf Straßen, Wegen und allem, mit dem der Regen in Berührung kommt, da Gegenstände und Straßen noch unterkühlt sind. Dies wird vor allem von Baden-Württemberg und Bayern über Hessen bis nach Rheinland-Pfalz und Hessen der Fall sein. Weiter nördlich dürfte sich die Warmluft nur durch hochnebelartige Wolkenfelder bemerkbar machen.
Eine typische Inversionswetterlage hat sich über Deutschland gebildet. Inversionen sind Temperaturumkehrungen in der Luft. Normalerweise nimmt mit der Höhe auch die Temperatur ab. Bei Inversionen steigt die Temperatur anfangs an, bevor sie dann in hohen Luftschichten abkühlt. Daher ist auch unsicher, wann und wo Regen oder Schnee fällt. Je nach dicke der Inversionsschicht kann reiner Regen fallen. Je dünner die Schicht wird, umso mehr bleibt der Niederschlag in der festen Form wie Schnee, Graupel oder Eiskörner.
Ein Wort noch zu den Küstengebieten der Ostsee, sprich Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Hier kann im Verlauf des Sonntags wieder der sogenannte Lake-Effekt zum Tragen kommen. Der Lake-Effekt ist ursprünglich an den großen Seen Nordamerikas beobachtet worden. Wenn Wasser noch relativ warm ist, kann es gut verdunsten. Beim Überstreifen kalter Luftmassen kondensiert dieser Wasserdampf, bildet Wolken, die dann auf den Gewässern und in ufernahen Gebieten Niederschläge bringen. Im Winter ist es oftmals Schnee oder Graupel, der an den Küsten der Ostsee fällt. So können auch heute wieder einzelne Schnee- und Graupelschauer entstehen.



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In der kommenden Nacht dürfte sich erneut kalte Luft auch in höheren Luftschichten durchsetzen. Diese bewirkt, dass die Niederschläge bis zum Morgen allgemein wieder als Schnee niedergehen. Am Montag würde dieses Niederschlagsgebiet des Sonntags bis in den Norden und Osten vorankommen. Allerdings könnten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in Sachen Neuschnee leer ausgehen. Richtung Bayern und Baden-Württemberg wäre die Lage nochmals spannend. Hier sorgt ein Tief über Norditalien für die Zufuhr milder Luft aus dem östlichen Mittelmeer. Folge wäre auch hier eine Inversionswetterlage, bei der der Schnee teilweise in Eisregen oder gefrierenden Regen übergeht.




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Am Dienstag verlagert sich ein Tief von Irland nach Nordfrankreich. Ein weiteres Tief über Belgien löst sich dagegen auf. Dieses neue Tief über Nordfrankreich transportiert erneut milde Mittelmeerluft nach Süd- und Westdeutschland. Es sorgt für eine neue Glättesituation zwischen dem Rheinland und dem Bodensee, denn, ähnlich wie am Sonntag, können die Niederschläge im Tagesverlauf von Schnee in Regen übergehen. Im Norden und Osten bleibt es dagegen bei der Zufuhr bodennaher Kaltluft. Um die Temperaturunterschiede mal zu verdeutlichen: Im Norden und Osten erwarten wir Höchstwerte zwischen -6 und -3 Grad, im Süden und Westen 0 bis +3 Grad.

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Ab Donnerstag den 24.01.2013 könnte sich die Wetterlage langsam von Westen her umstellen. Ein erstes Tief liegt voraussichtlich über Englang und bringt neben milderer Luft auch erste Niederschläge, in Form von Schnee, in den äußersten Westen Deutschlands. Über Frankreich gehen diese Niederschläge langsam in Regen über. Fast landesweit ist noch einmal Dauerfrost angesagt. Milder bliebe es nur westlich des Rheins sowie am Bodensee mit ganz leichten Plusgraden.
Die weitere Entwicklung bis Samstag zeigt, dass sich auf dem Nordatlantik immer wieder Tiefdruckgebiete bilden. die über Großbritannien nach Osten vorankommen wollen. Allerdings treffen sie auf ein sehr stabieles Hoch über dem Nordwesten Russlands, dass bewirkt, dass die Tiefdruckgebiete eher westlich an Skandinavien nach Norden abgelenkt werden.

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Am Sonntag den 27.01.2013 könnte die Warmfront eines Tiefs mit Kern über Nordirland dann für die oben angesprochene Milderung sorgen. Dieses Tief könnte es in sich haben. Neben deutlich milderen Temperaturen wären auch Sturmböen in der Nacht auf Sonntag und steigende Temperaturen von Südwesten her möglich. Dazu erst kräftiger Schneefall, der in Regen übergeht. Dieser gehört dann zur Warmfront, die weite Teile Deutschlands bereits in der Nacht auf Sonntag überquert und am Tag bereits Polen erreicht haben könnte. Das könnte bezieht sich auf die Unsicherheit, die für diesen Vorhersagezeitraum doch schon sehr groß ist. Die Temperatur in 2 Metern Höhe könnte am Sonntag in, bis auf wenige Ausnahmen, ganz Deutschland in den positiven Bereich steigen.

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Zum "Fast"-Schluss der Ausblick auf den letzten Tag des Monats. Deutschland könnte zunehmend in den Bereich milderer Luft vom Nordatlanik gelangen. Die Konstellation von Drucksystemen wäre zumindest nach derzeitigen Berechnungen ideal. Zwischen Tiefdruckgebieten, die vom Nordatlantik kommen und über Skandinavien nach Osten ziehen, sowie einer ausgeprägten Hochdruckzone über Südeuropa und Nordafrika, wäre der Weg für sehr milde Nordatlantikluft frei.

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Unsicher ist die Höhe der zu erwartenden Temperaturen. Sicher wäre auf jedem Fall, dass die Milderung auch Tauwetter nach sich zieht.

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Unkommentiert lasse ich heute mal die Niederschlagsprognosekarten.

Das vorläufige Fazit: Sicher ist, was in den kommenden 1 bis 3 Tagen passiert. Mit jedem Tag weiter in die Zukunft steigt auch die Unsicherheit. Es bleibt offen, ob, wann und wie weit sich milderes Wetter durchsetzt. Sicher ist, es wird wärmer, jedoch wann und wie weit, das weiß heute noch niemand. Aber im Vergleich zu den letzten drei Tagen kann ich sagen, dass die Milderung permanent gerechnet wird, allerdings ist die Höhe der Milderung jedes Mal eine andere. Auch wenn das heute für den Winter das Aus bedeuten würde, so ist gewiss, dass der Winter noch den Februar (meteorologisch) und den halben März (kalendarisch) anhält. Und sogar bis Ostern, teilweise auch darüber hinaus, kann es Schnee und Frost geben. Also für alle Winterfanatiker der gute Rat: Genießt das schöne Winterwetter und freut euch, wenn der nächste Schnee fällt.
Maik Thomaß
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Re: Milderung Ende der dritten Januardekade oder bleibt es k

UNREAD_POSTvon pasewalk-siedlung » 20.01.2013, 23:15

Na die Milderung wird bestimmt wieder nach hinten gerechnet, oder?
Waren doch die letzten Rechnungen auch.
pasewalk-siedlung
 

Re: Milderung Ende der dritten Januardekade oder bleibt es k

UNREAD_POSTvon Wettermaik » 21.01.2013, 06:07

Hallo nach Pasewalk,

derzeit wird die Milderung sogar etwas nach vorne geholt.

Schon am 28. Januar könnte es deutliche Plusgrade in 2 Metern Höhe geben. Aber ich gebe dir recht. Milderungen sowie auch Abkühlungen wurden in der Vergangenheit gerne mal nach hinten rausgerechnet.

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Gruß aus Rostock
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