IHKs in MV legen 7-Punkte-Papier für ein wirtschaftlich gesundes Mecklenburg-Vorpommern vor
Verfasst: 23.04.2020, 05:49
IHKs in MV legen 7-Punkte-Papier für ein wirtschaftlich gesundes Mecklenburg-Vorpommern vor
Im Kern geht es darum, unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen Vorgaben zukünftige Anti-Corona-Maßnahmen so zu konzipieren, dass in allen Wirtschaftsbereichen im Land Aktivitäten wieder aufgenommen werden können!
Stellvertretend für ihre rund 90.000 Mitgliedsbetriebe bieten die IHKs in MV an, sich verantwortlich an diesem Dialog branchenübergreifend zu beteiligen. Dazu bringen sie ihre Perspektive ein, auch um gebotene politische Entscheidungen für die Wirtschaft nachvollziehbar zu begleiten.
In einem gemeinsamen Positionspapier äußern die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer hohen Respekt, wie entschlossen, pragmatisch und rasch Bund und Länder die insbesondere gesundheitlichen Herausforderungen der Corona - Krise bisher gemeistert haben. Was Politik und Verwaltung gerade auch in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit vielen Partnern in den letzten Wochen an Unterstützungsinstrumenten auf die Beine gestellt haben, halten die IHKs im Bundesländer-Vergleich für mehr als bemerkenswert.
Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern fordern von der Landesregierung jetzt aber auch ein proaktiveres Herangehen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona – Krise.
Die Situation ist für einzelne Branchen verbessert worden, für die Wirtschaft insgesamt ist dies aber immer noch nicht ausreichend. Trotz der bisherigen Ergebnisse (z.B. Hilfspakete von Bund und Land und ersten Lockerungen der Kontakteinschränkungen) ist die Lage für viele Branchen und Betriebe aus unserer Sicht kritisch und dramatisch. Dies gilt nicht nur für Tourismus zu Land und Wasser und Gastgewerbe, sondern beispielsweise ebenso für die Freizeitwirtschaft, das Schaustellergewerbe, viele Dienstleister im Veranstaltungs- und Eventbereich sowie auch weite Bereiche im Produzierenden Gewerbe – hier beispielsweise die Werftstandorte mit ihrem Umfeld oder die Automobilzulieferer. Diese Aufzählung ist beispielhaft und nicht abschließend. Auch diese und andere „corona-betroffene“ Betriebe brauchen eine Perspektive und einen klaren zeitlichen Fahrplan sowie weiter öffentliche Hilfen und Unterstützungen. Dabei müssen die Soforthilfen und weitere Unterstützungsmaßnahmen rasch bei den Unternehmen ankommen. Hierfür setzen wir uns als IHKs in MV selbstverständlich und mit Nachdruck ein.
Dies nehmen die IHKs zum Anlass, die Landesregierung zu einem noch proaktiveren Vorgehen aufzufordern mit einheitlichen und klaren Festlegungen zu ermuntern. Für die IHKs steht dabei die Gesundheit der Bevölkerung an oberster Stelle. Die vorgesehenen Maßnahmen und die weitere Strategie zum Umgang mit der Pandemie müssen jedoch zusätzlich unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Vorgaben weitere Schritte beinhalten. Darüber hinaus sollten wenigstens die norddeutschen Bundesländer ein untereinander abgestimmtes Vorgehen anstreben. In diesem Abwägungsprozess, der grundrechtsrelevant ist, darf nur das mildeste Mittel zur Beschränkung eingesetzt werden.
Im Einzelnen fordern die IHKs:
- Gesundheitliche Maßnahmen sollten weiter im 14-Tagesrhythmus bewertet, die Sachlage gemonitort und Maßnahmen angepasst werden. Die Maßnahmen sollten nach Möglichkeit Planungssicherheit über 14 Tage hinausgeben und entsprechend kommuniziert werden. Die Wirtschaft (die IHKs in MV) ist vor Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Unternehmen in die Entwicklung möglicher Handlungs-Optionen stärker einzubeziehen. Dann kann sie frühzeitig darauf reagieren, wenn Maßnahmen gelockert oder wieder verschärft werden. Geschäftsführende IHK für die Jahre 2019 und 2020: IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern
Postanschrift: PF 11 02 53 · 17042 Neubrandenburg I Sitz: Katharinenstraße 48 · 17033 Neubrandenburg
Telefon: +49 395 5597-0 · Fax: +49 395 5597-500 I E-Mail: info@neubrandenburg.ihk.de · http://www.neubrandenburg.ihk.de - Zukünftige Maßnahmen sollten so gestaltet werden, dass in allen Wirtschaftsbereichen Aktivitäten zeitnah, planbar und betriebswirtschaftlich vertretbar wieder aufgenommen werden können! Ein „gesundes“ Wirtschaften ist in der Pandemie möglich. Das Arbeiten mit potentiellen Krankheitserregern ist (neben der Medizin und Pflege) bspw. in der Ernährungs- und Lebensmittelindustrie „alltäglich“. Gerade das Personal in Hotellerie und Gastronomie ist durch die besonderen hygienischen Anforderungen auf das Arbeiten unter „besonderen“ Bedingungen hin ausgebildet.
- Den unternehmensspezifischen Besonderheiten (Fläche, Branche, Kundendichte) ist dabei gebührend Rechnung zu tragen. Die Umsetzung von Maßnahmen sollte sich nicht (!) ausschließlich an Verwaltungsgrenzen ausrichten.
- Es bedarf eines abgestimmten Konzeptes (Masterplan MV tut gut - 2025), das kurz- (2022), mittel- (2025) und langfristige (2030) Maßnahmen für die Wiederbelebung bzw. auch Transformation der Wirtschaftsstrukturen umfasst. Dieser Masterplan muss ein proaktives Paket von branchen- und sektorenübergreifenden Handlungsoptionen unter verschiedenen Szenarien beinhalten (worst-, expected-, best-case).
- Einzelne Wirtschaftsbereiche werden sich nur erhalten lassen, wenn sie sich einem umfassenden Transformationsprozess unterziehen. Die Nachfrage wird sich nachhaltig qualitativ und quantitativ (z.B. in Hotellerie oder Tourismus bzw. im Reiseverkehr oder auch im Veranstaltungsgewerbe) ändern. Auch steht in anderen Bereichen ein Strukturwandel an (Schiffbau, Produktion von medizintechnischen Produkten im Inland). Die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und CO-2-Reduktion könnten durch M-V aktiv aufgegriffen werden. Die Corona-Krise kann so eine Chance sein, mit neuen Produkten und Verfahren, Änderungen in der Mobilität, der Energieerzeugung und Verwendung u.a.m. zusätzliche Wertschöpfungspotenziale im ganzen Land zu heben. Es besteht die Chance aus der Krise zu lernen. Es bedarf agiler Strukturen, die insbesondere auch durch Start-ups gelöst und umgesetzt werden können. Hier bedarf es eines Investitionsprogrammes MV 22-25-30 mit einem besonderen Schwerpunkt auf Start-ups, Agilität, Transformation und Nachhaltigkeit.
- Die IHKs vermissen innovative Ansätze, wie neues Wissen und Technologien, die in die Entwicklung neuer Strategien einbezogen werden. Insbesondere im Bereich der IT-Technologien werden hier volkswirtschaftliche Ressourcen nicht zukunftsorientiert und vollumfänglich genutzt, die unter Beachtung des Datenschutzes sinnvoll getestet und pragmatisch genutzt werden könnten.
- A und O zukünftiger Maßnahmen ist eine noch transparentere und klar aufgearbeitete sowie auch abgestimmte Informationspolitik aller Seiten, in der für Maßnahmen zeitliche Perspektiven aufgezeigt werden. Die Informationspolitik muss Bestandteil des Masterplans sein und die Ziele MV 2022, MV 2025 und MV 2030 skizzieren.