4 Handlungsfelder für Wege aus der Krise
Verfasst: 13.05.2020, 17:46
4 Handlungsfelder für Wege aus der Krise
"Die Unternehmen in Norddeutschland brauchen eine Mischung aus konjunkturell-stabilisierenden und strukturpolitischen Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Krise", sagte Janina Marahrens-Hashagen, Vorsitzende der IHK Nord und Präses der Handelskammer Bremen, heute anlässlich der Vorstellung des IHK Nord-Positionspapiers „Wege aus der Corona-Krise III – Eine wirtschaftspolitische Strategie zur Überwindung der Corona-Krise in Norddeutschland“. Der Standort Norddeutschland sei von der Corona-Krise überdurchschnittlich betroffen, weil er stark in die internationale Arbeitsteilung eingebunden ist. Auch durch die besondere Bedeutung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft für den Norden Deutschlands, die im Norden für mehr als 850.000 standortgebundene Arbeitsplätze stehe, hätten die staatlichen Infektionsschutz-Vorgaben die norddeutsche Wirtschaft besonders hart getroffen.
„Mit der sukzessiven Lockerung der staatlichen Infektionsschutz-Vorgaben beginnt für die norddeutsche Wirtschaft die nächste Phase der Corona-Krise“, betonte Marahrens-Hashagen. Nötig sei jetzt ein wirtschaftspolitisches Programm, das kurzfristig Insolvenzwellen vermeide, Unternehmen entlaste und die besonders hart betroffenen Wirtschaftssektoren konjunkturell stabilisiere: „Die Corona-Krise legt aber auch schonungslos die strukturellen Defizite des Standortes Norddeutschland offen“, so die IHK Nord-Vorsitzende: „Wir benötigen daher nachhaltige Impulse in Schlüsselbereichen, etwa zur digitalen Transformation, bei der Wasserstofftechnologie, innovations- und gründerfreundliche Rahmenbedingungen oder eine Beschleunigung des Infrastrukturplanungsrechts und von Genehmigungsverfahren, um langfristig aus der Krise herauszuwachsen.“
Von besonderer Bedeutung sei es, dass sich die fünf Küstenländer auf ein gemeinsam angelegtes Maßnahmenpaket zur Stimulierung der norddeutschen Wirtschaft verständigten. Dies ermögliche Synergien, mehr Gewicht beim Einwerben von Unterstützung in Berlin und Brüssel und vermeide Wettbewerbsverzerrungen durch regional unterschiedliche Regelungen zwischen den einzelnen Ländern. Janina Marahrens-Hashagen betonte: „Ein norddeutscher Schulterschluss zur Überwindung der Corona-Krise in der Wirtschaft wäre ein ebenso starkes wie notwendiges Signal für den Zusammenhalt im Norden.“
Das ausführliche Papier, mit einer umfassenden Ideensammlung als Anregung für ein solches Maßnahmenpaket und einer differenzierten Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise im Norden, findet sich unter http://www.ihk-nord.de/coronapapier. Die IHK Nord legt mit diesem Papier eine wirtschaftspolitische Strategie mit folgenden vier Handlungsfeldern vor, die einen zentralen Beitrag dazu leisten können, die Krise für die norddeutschen Unternehmen einzudämmen und langfristig zu überwinden:
Handlungsfeld 1 – Das Überleben von Unternehmen sichern
Ein umfassendes Maßnahmenpaket, das stetig situativ angepasst und kontinuierlich weiterentwickelt werden muss, ist erforderlich, um das Überleben vieler dieser Betriebe zu sichern:
· Schrittweise Lockerungen derzeitiger Beschränkungen.
· Liquidität sichern, eingeschränkte Unternehmen teilweise „einfrieren“.
· Unternehmen während der Krise entlasten („Bürokratie-Moratorium“).
Handlungsfeld 2 – Attraktivität des Standorts Norddeutschland und seiner Städte und Regionen retten
Die Corona-Krise hat besonders dramatische Folgen für Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen. Diese prägen die Attraktivität und Lebensqualität von Städten und Regionen und damit des Wirtschaftsstandorts Norddeutschland in hohem Maße. Neben überlebenssichernden Maßnahmen bedürfen viele Unternehmen aus diesen Sektoren einer besonderen Aufmerksamkeit und entschlossener konjunktureller Impulse.
· Vertrauen der Konsumenten und Bevölkerung zurückgewinnen.
· Konkrete Förderungen in besonders stark betroffenen Branchen umsetzen.
· Mit gemeinsamer Initiative Tourismus im Norden stärken.
Handlungsfeld 3 – Freie Märkte garantieren, internationale Lieferketten am Leben halten
Die WTO geht davon aus, dass der Welthandel um über 30 Prozent durch die Corona-Krise einbrechen könnte. Der Außenwirtschaftsstandort Norddeutschland benötigt kurzfristige Maßnahmen, um den Außenwirtschaftsverkehr und internationale Lieferketten am Leben zu halten. Der Norden muss sich für freie Märkte sowie die Aufrechterhaltung internationaler Lieferketten einsetzen. Langfristig soll sich der Norden auch auf veränderte globale Lieferketten einstellen können und hierzu eine norddeutsche Anpassungsstrategie erarbeiten.
· Außenwirtschafts-, Luft- und Güterverkehr erleichtern
· EU-Binnenmarkt wiederherstellen und weiterentwickeln.
· Industrie-Ansiedlungsstrategie zur Anpassung an sich verändernde Weltmärkte entwickeln
Handlungsfeld 4 – Investitionsprogramm „Zukunft Norddeutschland“ auflegen
Die Corona-Krise verschärft für Norddeutschland den Transformationsdruck und die Notwendigkeit, Anpassungsprozesse für den Standort zu beschleunigen und Investitionen in seine Zukunftsfähigkeit zu tätigen. Die Corona-Krise muss in dieser Hinsicht als unüberhörbarer Weckruf und Startschuss für eine Investitionsoffensive genutzt werden. Handlungsbedarf sieht die IHK Nord in folgenden Schwerpunktbereichen:
· Digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung beschleunigen.
· Klimaschutz durch Technologie und Innovation – Wasserstoff-Technologie als historische Chance für Norddeutschland nutzen.
· Innovationsverbund Norddeutschland installieren.
· Infrastrukturplanungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen.
Der Präsident der IHK zu Schwerin, Matthias Belke, äußerte sich dazu:
„Innerhalb der IHK Nord bewerten auch die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern die eingeschlagenen Wege aus der Corona-Krise als Chance für ganz Norddeutschland. Aufgrund der aktuellen Betroffenheit der Weltwirtschaft müssen wir die Innovationsprozesse in allen Bereichen der Wirtschaft - insbesondere bei den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung - erheblich beschleunigen. Nur durch technologische, innovative und nachhaltige Quantensprünge können wir die norddeutsche Wirtschaft zukunftsfähig gestalten. Um dies zu erreichen, ist die Gründung eines Innovationsverbundes Norddeutschland unerlässlich, um mit Spitzentechnologien im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Dabei sind die Cluster Life-Science, Erneuerbare Energien, Luftfahrt und Ernährungswirtschaft tragende Säulen. Zudem müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Innovationen stimmen. Die zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern fordern gemeinsam eine deutliche Beschleunigung von allen die Wirtschaft betreffenden Verwaltungsverfahren und den Abbau bürokratischer Hemmnisse sowie die Realisierung wichtiger Infrastrukturprojekte.“