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Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier bei einem Staatsbankett, gegeben von Seiner Majestät Al-Sultan Abdullah Shah, in Kuala Lumpur

Verfasst: 22.02.2023, 17:35
von Maik Thomaß

Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier bei einem Staatsbankett, gegeben von Seiner Majestät Al-Sultan Abdullah Shah, in Kuala Lumpur

Deutschland und Malaysia verbindet viel. Zum Beispiel die Begeisterung, Bälle zu kicken – wendig und artistisch übers Netz im malaysischen Nationalsport Sepak Takraw, schnell und athletisch im deutschen Nationalsport, dem Fußball. Und unsere Länder inspirieren einander: So ist ausgerechnet, kaum zu glauben, Deutschland in Europa führend in Sepak Takraw; und die malaysische Fußballnationalmannschaft – Majestät, wir haben gerade noch darüber gesprochen – vertraut in ihrer Geschichte immer wieder auf deutsche Trainer. Nicht zuletzt sind wir beide leidenschaftliche Fußballfans, die, so habe ich auch von Ihnen gelesen, früher auch selbst gespielt haben.

Aber unsere beiden Länder verbindet weit mehr als die Begeisterung für den Ballsport. Meine Frau und ich, wir freuen uns, einiges davon während unseres Besuchs in diesen Tagen noch besser kennenlernen zu können. Und wir sind neugierig auf Ihr vielseitiges Land, auf seine reiche historische Tradition, seine lebendige Kultur und seine wunderbare Natur.

Gestern waren wir in Penang bei zwei großen deutschen Unternehmen aus der Technologie- und Medizinbranche. Morgen werden wir in Sarawak mit malaysischen und deutschen Experten für Biodiversität und Klimawandel den Nationalpark und seinen Mangrovenwald erkunden. Und heute haben meine Delegation und ich in Kuala Lumpur intensive und inspirierende Gespräche geführt – mit Ihnen, Majestät, hier in Istana Negara Jalan Duta, und mit Ihnen, Herr Premierminister, heute Nachmittag; und natürlich auch Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Majestät, haben Sie meinen, haben Sie unseren ganz herzlichen Dank für Ihre große Gastfreundschaft, die wir hier genießen dürfen!

Viele Herausforderungen unserer Zeit können wir nur in globalen Partnerschaften lösen. Das gilt ganz besonders für den Kampf gegen den Klimawandel und gegen das Artensterben. Wir müssen beides zugleich tun: das Klima schützen und die Artenvielfalt erhalten. Verlieren wir den einen Kampf, können wir auch den anderen nicht gewinnen. Ich schätze Malaysias Engagement in beiden Dimensionen. Deutschland steht an Ihrer Seite, um Ökosysteme und Artenvielfalt hier in Malaysia und weltweit zu erhalten – denn Biodiversität ist eine globale Ressource, die wir alle nur gemeinsam bewahren können.

Malaysia und Deutschland sind Partner – nicht nur beim Kampf gegen den Klimawandel, auch im Handel. Die Straße von Malakka ist schon seit Jahrhunderten eine Schlagader des globalen Handels. In der Hochphase der Coronapandemie haben wir erlebt, wie das Virus den globalen Lieferverkehr geradezu zum Erliegen brachte; unvergessen die Bilder von Container-Schiffen, die sich massenhaft vor Häfen stauten. Der brutale Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Russland vor fast genau einem Jahr begann und den beide unsere Länder verurteilen, dieser völkerrechtswidrige Krieg führte erneut dazu, dass Lieferketten unterbrochen waren und sind.

Wenn manche aus solchen Gründen Freudengesänge auf das Ende der Globalisierung anstimmen, dann irritiert mich das etwas, weil ich überzeugt bin: Gerade jetzt können wir uns keinen Rückzug ins Nationale leisten. Mit Abschottung lässt sich kein Wohlstand erwirtschaften, mit Abschottung lässt sich kein Frieden sichern.

Richtig ist aber auch: Einseitige Abhängigkeiten gefährden Wohlstand und Sicherheit, machen politisch und wirtschaftlich verwundbar. Ich weiß, Majestät, wie wichtig der Handel mit China für Ihr Land, für Ihre dynamisch wachsende Wirtschaft ist. Und ich weiß auch aus dem Gespräch mit Ihnen, Herr Premierminister, wie intensiv die Debatten darüber in Malaysia und im gesamten ASEAN-Raum geführt werden.

Aber heute – und nach den Erfahrungen, die wir beide mit großen Nachbarn gemacht haben – müssen wir alle uns vor einseitigen Abhängigkeiten schützen. Vernetzung ausbauen, Verwundbarkeit abbauen, das ist das Gebot der Stunde – besonders für unsere Länder, die eben beide Handelsnationen sind. Ich wünsche mir, dass die Wirtschaftsdelegation, die mich begleitet, bei ihren malaysischen Gesprächspartnern auf offene Ohren stoßen wird. Wir können, so glaube ich, hier auf sehr gute Grundlagen aufbauen: Malaysia ist Deutschlands wichtigster Handelspartner im ASEAN-Raum, und umgekehrt ist Deutschland der bedeutendste wirtschaftliche Partner für Malaysia in der Europäischen Union.

Jetzt gilt es, uns weltweit noch breiter zu vernetzen, wirtschaftliche und politische Partnerschaften auszubauen, Abhängigkeiten klug auszutarieren, Risiken und Chancen besser zu verteilen. Und jetzt gilt es, die multipolare Welt- und Handelsordnung mitzugestalten, gemeinsam und als gleichberechtigte Partner.

Arbeiten wir daran, die malaysisch-deutsche Freundschaft weiter zu vertiefen – damit wir uns gegenseitig die Bälle zuspielen können, nicht nur beim Fußball und nicht nur beim Sepak Takraw, sondern im übertragenen Sinne in Politik und Wirtschaft. Meine sehr verehrten Damen und Herren, erheben wir unsere Gläser auf das Wohl Malaysias, auf Ihr Wohl, Majestät, und das Ihrer Familie und auf die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern!